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Das psychologische Band, das Menschen mit Tieren verbindet, kann höchst zwiespältige und widersprüchliche Ausformungen haben. Denn nicht nur unsere Liebe zu Tieren, sondern ebenso Angst und Respekt vor ihnen gehören zur sogenannten „Hassliebe“ oder BIOPHILIE, wie der amerikanische Artenschützer und Evolutionsbiologe Edward Wilson dies bezeichnet. Auch die Neigung vieler Menschen, Tiere dominieren zu wollen, sie auszubeuten und Macht über sie auszuüben, ist Teil davon.
In welchem Verhältnis steht der Mensch zum Tierreich? In dem Maße, wie wir uns von den natürlichen Grundlagen entfernen, gewinnt diese Frage immer mehr an Bedeutung. Gerade weil in der heutigen Zeit der Nahrungserwerb nicht mehr unmittelbar erlebt wird, ist die Notwendigkeit der Tötung von Tieren für die menschliche Ernährung nicht mehr so ohne weiteres nachzuvollziehen und bereitet vielen Menschen ein schlechtes Gewissen.
Wir wollen im Folgenden den geschichtlichen Weg, den die Menschen zusammen mit den Tieren zurückgelegt haben, verfolgen und kritisch bewerten.
Entstehung des Lebens
Nachdem seit dem „Urknall“- dem Anfang der Welt – schon acht oder auch zehn Jahrmilliarden verflossen waren, kreisten endlich Planeten, die alle physikalisch möglichen Elemente als Material enthielten, um strahlende Sonnen, die sie mit Energie für den weiteren Ablauf der Geschichte belieferten. Diese Strahlungsenergie brachte auf ihrer erkalteten Oberfläche eine chemische Evolution in Gang, die immer kompliziertere Moleküle entstehen ließ. Dabei kam zutage, dass atomare Strukturen und natürliche Gesetzte von Anfang an so angelegt gewesen waren – durch wen oder was, bleibt unbeantwortbares
Geheimnis-, dass die chemische Evolution wie vorgezeichnet die Schwelle überschreiten konnte, jenseits derer eine biologische Evolution einsetzte. Diese erzeugte nunmehr materielle Systeme, die wir aufgrund bestimmter charakteristischer Eigenschaften als „belebt“ bezeichnen. Am (vorläufig) letzten Ende dieser biologischen Phase der kosmischen Geschichte stehen heute wir selbst als deren jüngste und am meisten fortgeschrittene aller Geschöpfe.
Der Mensch
Nach der Evolutionstheorie stammt der Mensch aus dem Tierreich und hat sich daraus fortentwickelt. Wann aber spricht man vom Menschen im eigentlichen Sinne?
Erst in den letzten Jahrzehnten hat die Hirnforschung herausgefunden, wodurch sich der Mensch vom Tier grundsätzlich unterscheidet und wann der große Schritt begann. Etwa vor zwei bis drei Millionen Jahren begann unser Gehirn zu wachsen und hat in der Zeit des Neandertalers ein Volumen von 1500 Kubikzentimeter erreicht. Davor war es konstant bei 500 Kubikzentimeter, was dem Hirnvolumen von ausgewachsenen, heutigen Schimpansen oder Gorillas entspricht. Neben dem Volumen ist aber die Asymmetrie des menschlichen Gehirns in zwei Gehirnhälften, von entscheidender Bedeutung. Die im menschlichen Gehirn nachweisbare Asymmetrie ist das Resultat einer echten Arbeitsteilung im Bereich der obersten, psychischen Hirnfunktionen. Vereinfacht kann man sagen, dass die linke Hirnhälfte für den sprachlichen Ausdruck und das Sprachverständnis, für das Rechenvermögen und andere von uns als „rational“ charakterisierte Leistungen zuständig ist, während die gegenüberliegende, rechte Hirnhälfte die neurophysiologische Grundlage unserer emotionalen Sensibilität, unserer musischen Erlebnisfähigkeit und Kreativität, aber zum Beispiel auch der außerordentlich komplexen Fähigkeit zur Erfassung „ganzheitlicher“ Zusammenhänge darstellt. Dies alles führt zu der Erkenntnis, dass uns nichts grundsätzlicher vom Tier unterscheidet als die Aufteilung der genannten Funktionen auf verschiedene Hirnhälften.
Die eine Hirnhälfte verleiht uns die Fähigkeit zum intelligent planenden, kalkulierend vorausschauenden Umgang mit der
Umwelt. Die andere befähigt uns demgegenüber zu Sozialisation, zum Eingehen zwischenmenschlicher Bindungen, aber auch zu musischer und ästhetischer Kreativität.
Alles, was den Menschen und die menschliche Kultur ausmacht, alles, was uns mehr als alle anderen Besonderheiten von allen übrigen Lebewesen auf dieser Erde unterscheidet, das beruht auf dieser einzigartigen Arbeitsteilung in unserem Kopf. Erst diese Spezialisierung hat uns die Freiheit eröffnet, alle jene Eigenschaften zu entwickeln und die Aktivität zu entfalten, die uns einzigartig haben werden lassen und durch die wir uns, im Guten wie im Bösen, von allen anderen irdischen Lebewesen unterscheiden. Der Mensch ist sich seiner bewusst geworden.
In den Beziehungen nichtbewusster Arten untereinander ist weder die Zusammenarbeit noch der Kampf ein Akt freier Wahl. Sie handeln aufgrund angeborener Verhaltensmuster. Doch dem Menschen steht diese Entscheidung frei und ist bei ihm an die Erkenntnis des Unterschiedes zwischen Recht und Unrecht, zwischen Gut und Böse gebunden.
Die älteste indische Definition des Menschen stammt aus der Zeit der Veda (hl. Schriften des Hinduismus) etwa 1200 – 600 v. Chr. und lautet: „Der Mensch ist das einzige Tier, das opfert.“ Eine interessante Aussage. Als entscheidende Differenz gegenüber anderen irdischen Lebewesen wird ein spezifisches Tun, nämlich die aktive, partnerschaftliche Kommunikation mit Gott oder mit Göttern gesehen.
Im Zuge seiner weiteren Entwicklung und im Bewusstsein seiner Einmaligkeit unter den Lebewesen, hat der Mensch seine Herkunft aus dem Tierreich nie ganz vergessen. In fast allen menschlichen Kulturen finden wir Zeugnisse von Tierverehrungen. Totemismus, Schamanen, die das Jagdglück bei den Tiergöttern erflehen/beschwören und heilige Tiere finden sich noch bis in unsere Zeit.
Nur der französische Philosoph Rene Descartes (* 1596 + 1650) glaubte, dass sich Mensch und Tier total unterscheiden, indem er behauptet hat, dass es sich bei Tieren um eine Art Mineral oder Maschine handle. Sein Rationalismus beeinflusste als Kartesianismus ein Jahrhundert lang die Philosophie Westeuropas. Dies wirkte sich natürlich auch auf den Umgang mit den Tieren aus, zumal man glaubte, einen gewissen Auftrag dazu aus der Bibel ableiten zu können.
Genesis 1 Vers 25-28.
„Gott bildete die Feldtiere, das Vieh und alle Kriechtiere des Erdbodens jeweils nach ihren Arten. Und Gott sah, dass es gut war.
Dann sprach Gott: << Lasset uns Menschen machen nach unserem Abbild, uns ähnlich; sie sollen herrschen über des Meeres Fische, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über alle Landtiere und über alle Kriechtiere am Boden!>>
So schuf Gott den Menschen nach seinem Abbild, nach Gottes Bild schuf er ihn, als Mann und Weib erschuf er sie.
Gott segnete sie und sprach zu ihnen: << Seid fruchtbar und mehret euch, füllet die Erde und machet sie untertan und herrschet über des Meeres Fische, die Vögel des Himmels und über alles Getier, das sich auf Erden regt.>>“
Aus diesem Schöpfungsauftrag der Bibel hat der Mensch später die Rechtfertigung zum Umgang mit den übrigen Geschöpfen der Erde hergeleitet. In den letzten zehntausend Jahren hat er die natürliche Zuchtwahl durch künstliche Auslese ersetzt, hat das Überleben von Pflanzen und Tieren gefördert und sie für seine eigenen Bedürfnisse kultiviert. Er hat Arten, die er für schädlich hielt, vernichtet, hat sie als „Unkraut“ und „Ungeziefer“ bezeichnet und alles getan, um sie auszurotten. Damit hat er ganz massiv in den natürlichen Ablauf eingegriffen und die Zahl der überlebenden Arten drastisch reduziert.
Das Tier
Tiere sind durch besondere Einrichtungen an den natürlichen Lebensraum angepasst. Dadurch kann sich jede Art gegenüber Umwelteinflüssen erfolgreich behaupten. Umwelt in diesem Sinne sind alle auf ein Tier einwirkenden äußeren Bedingungen. Dazu gehören klimatische Verhältnisse, Artgenossen, Nahrungspflanzen und –tiere, Parasiten oder Feinde. Wird eine Art in eine ihr fremde Umgebung gebracht, so droht ihr der Untergang. Ein Tier ist, im Gegensatz zum Menschen, nicht in der Lage, mit den der artfremden Umwelteinflüssen fertig zu werden.
Die Tiere stehen zu ihrer belebten Umwelt durchaus nicht nur im Verhältnis von Raubtier zu Beutetier oder Pflanzenfresser zu Nahrungspflanze. Unter dem bunten Reichtum tierischen Lebens finden sich vielmehr zahllose Fälle, in denen ein Tier mit anderen Lebewesen mehr oder weniger eng vergesellschaftet ist, ohne dass einer der Partner dies notwendigerweise mit dem Leben bezahlen müsste. Anders als der Mensch kennt das Tier weder Besitz- noch Machtstreben, so dass es den anderen Lebewesen meist ohne Aggression begegnen kann. Unter Verbänden gesellig lebender Tiere finden sich häufig einzelne Angehörige fremder Arten. So ist dem Vogelfreund bekannt, dass von unseren heimischen Vögeln verschiedene Meisenarten, Goldhähnchen und Kleiber unter gelegentlicher Beteiligung eines Buntspechts, sich im Herbst in lockeren Scharen zusammenfinden, um gemeinsam Wälder und Gärten auf Nahrungssuche zu durchstreifen. Dergleichen ist uns von den afrikanischen Steppentieren, den Zebras und Gnus bekannt, die mit verschiedenen Antilopen zusammen große Herden bilden, in denen auch Elefanten und Strauße zu finden sind.
Wir Menschen sind gerne bereit, die Tiere mit menschlichen Eigenschaften zu versehen und sie als schlau, grausam ängstlich oder friedlich zu bezeichnen. Schon in deutschen Märchen, wie auch in Goethes Reineke Fuchs, werden Tiere als eine Gemeinschaft dargestellt, die der menschlichen Gesellschaft vergleichbar ist. Als wären „die Tiere“ Lebewesen der gleichen
Art, wie die Menschen es ja sind. Ähnliches geschah in den Tierzeichentrickfilmen von Walt Disney und bei dem von Felix Salten bis zu leichten Brechreiz verherrlichten Reh „Bambi.“ Diese in den Kinos und im Fernsehen verbreiteten Tierverhalten bilden noch heute für viele Kinder und Erwachsene die Grundlage ihres Natur- und Tierverständnisses.
An zwei Tieren, der friedlichen Taube und dem grausamen Wolf, wollen wir die menschlichen Vorurteile mit den tatsächlichen Verhalten vergleichen. Die beiden Szenen werden von Konrad Lorenz geschildert:
„Noch viel harmloser als ein Hasenkampf sieht der Streit zweier Turtel- oder Lachtauben aus. Das zarte Picken des Schnäbelchens, der leichte Klaps der weichen Flügelchen wirkt geradezu rührend und ist fürwahr nicht dazu angetan, ernstlich zu verletzen – sollte man meinen! Ich wollte einst aus bestimmten Gründen Kreuzungen der afrikanischen Lachtaube mit der einheimischen, noch etwas zarteren Turteltaube züchten und setzte zu diesem Zwecke einen zahmen, jung aufgezogenen Turteltauber zusammen mit einer weiblichen Lachtaube in einen geräumigen Käfig. Die anfänglich kleine Reiberei zwischen den beiden prospektiven Liebesleuten nahm ich nicht weiter ernst. Wie sollten die Sinnbilder der Liebe und Sanftmut einander Schaden zufügen können?
Ich fuhr also getrost nach Wien. Als ich am nächsten Tag heimkam, bot sich mir ein grauenvoller Anblick. Der Turteltauber lag in einer Käfigecke auf dem Boden. Hinterkopf, Oberseite des Halses und der ganze Rücken bis an die Schwanzwurzel waren nicht nur völlig kahlgerupft, sondern so geschunden, dass sie eine einzige Wundfläche bildeten. Auf der Mitte dieser Fläche, wie ein Adler auf seiner Beute, stand das zweite Friedenstäubchen. Mit dem versonnenen Gesichtsausdruck, der dem vermenschlichenden Beobachter diese Vögel so sympathisch erscheinen lässt, pickte das Vieh pausenlos in den Wunden des buchstäblich >>Unterlegenen<< herum. Raffte sich der auf, um mit letzter Kraft zu entkommen, war es sofort wieder hinter ihm her, klapste ihn mit den weichen Flügelchen zu Boden und setzte sein erbarmungsloses, langsames Tötungswerk fort, obwohl es selbst davon schon so müde war, dass ihm immer wieder die Augen zufallen wollten.“
Aber wie müssen dann erst Raubtiere gegen ihresgleichen wüten, wenn beinahe waffenlose Pflanzenfresser, wie die Tauben, einander zu Tode schinden?
„Ein riesiger, hellgrauer alter Wolf und ein kaum kleinerer, aber sichtlich jüngerer, standen einander gegenüber und kreisten mit bewundernswerter >>Fußtechnik<< in engstem Zirkel. Die furchtbaren Brechscheren der Gebisse flitzten in blitzraschem Wechsel von Biss und Gegenbiss, das Auge vermochte nicht zu folgen. Noch war eigentlich nichts Ernstes geschehen, stets traf das Schnappen des einen Wolfes nur auf die weißen Zähne des anderen, die den Biss parierten. Nur die Lippen der Kämpfenden schienen ein paar Schmisse davongetragen zu haben. Doch der kleinere Wolf wurde mehr und mehr zurückgedrängt, und ich ahnte, dass der erfahrenere Gegner darauf aus war, ihn gegen das Umzäunungsgitter zu manövrieren. Tatsächlich stieß der Jüngere jetzt gegen den Draht, stolperte, und schon war der Alte über ihm. Und nun geschieht das Merkwürdige, nämlich genau das Gegenteil dessen, was man erwarten würde.
Schlagartig ist das Umherwirbeln der grauen Körper zur Ruhe gekommen. Beide Tiere stehen still, ganz still, Schulter an Schulter gedrängt, aber nunmehr umgekehrt zueinander orientiert, also beide Köpfe in gleicher Richtung. Beide knurren böse, der Alte in tiefstem Bass, der Jüngere in hohen Kopftönen. Doch man beachte die Stellung der beiden Raubtiere genau: Der alte Wolf hat sein Maul dicht, ganz dicht am Hals des jüngeren. Und dieser hält seinen Kopf abgewendet er bietet die Krümmung seines Halses, die verwundbarste Stelle seines Körpers, schutzlos dem Feinde dar! Keine drei Zentimeter von der gespannten Wölbung seines Halses, da, wo die große Vene dicht unter der Haut liegt, schimmern die Fangzähne des Gegners unter den böse emporgezogenen Lefzen hervor. Während vorher, im Kampf also, das ganze Bestreben beider Gegner darauf gerichtet war, den Bissen des anderen nur die Zähne, den einzigen unverwundbaren Teil des Körpers darzubieten und gerade den Hals vor dem angreifenden Feinde zu schützen, sieht es jetzt so aus, als böte der Unterlegene absichtlich denjenigen Körperteil, in den jeder Biss tödlich sein muss. Und es sieht nicht nur so aus, sondern es ist erstaunlicherweise tatsächlich so.“
Tiere haben außerordentliche Fähigkeiten und vollbringen Dinge, die uns Menschen immer wieder in Erstaunen versetzen. An zwei unscheinbaren Vertretern ihrer Art will ich dies verdeutlichen:
Die Honigbiene hat – außer der Königin – keine allzugroße Lebenserwartung. Im allgemeinen nicht länger als zwei Monate. Was sie aber in dieser Zeit leistet ist unglaublich. Im Laufe ihres kurzen Lebens wechselt die Biene mehrfach den „Beruf“. Nach der Geburt muss sie als erstes die Zellen reinigen. Dann wird sie Pflegerin für die Larven. Am achten Tag beginnen bei ihr spezielle Drüsen Weiselmilch zu produzieren, womit sie die Königin und die Larven füttert. Sie wird danach Nahrungsabnehmerin, Nahrungsverteilerin, Reinigungsfrau in den Waben, Putzfrau für die von der Reise heimkommenden Artgenossinnen, Baumeisterin für Waben. Nach etwa drei bis vier Wochen beginnt dann die zweite Lebenshälfte in der sie zur Nektar- oder Blütenstaubsammlerin wird.
Man hat berechnet, dass zur Herstellung von hundert Gramm Honig die Sammlerbienen den Nektar von ungefähr einer Million Blüten einholen müssen. Annähernd fünfzehntausend Ladungen dieses „Göttertranks“ sind heranzuschaffen. Die Fluggeschwindigkeit einer Biene ohne Last beträgt (wie beim besten Rennpferd) 65 km/h. Mit einer Last, die drei Viertel ihres Eigengewichts ausmacht, fliegt die Biene nur halb so schnell wie ohne Last. Manchmal fliegen die Bienen zur Nektaraufnahme bis zu acht Kilometer weit, so dass ihr Weg hin und zurück dann insgesamt 46000 Kilometer lang ist. Dies käme einer Erdumrundung längs des Äquators gleich. Welch gigantischer Arbeitsaufwand für ganze einhundert Gramm Honig.
Der Faden der Spinne ist ein Synthesegebilde aus Aminosäuren, ein reines Eiweiß. Er ist der dünnste natürliche Faden. Das menschliche Haar ist tausendmal dicker. Stärke und Festigkeit von Garnen und Fasern werden in einer Maßeinheit gemessen, die man „Denier“ nennt. Dies ist das Gewicht eines neun Kilometer langen Fadens einer Seidenraupe in Gramm. Ein menschliches Haar dieser Länge wären fünfzig Denier, doch der Fangfaden einer Spinne nur ganze 0,07 Denier. Dies
bedeutet, ein Spinnfaden, am Äquator um die Erdkugel gespannt, würde kaum mehr als dreihundert Gramm wiegen. Der Faden der Spinne ist doppelt so reißfest wie Stahl und fester und wesentlich elastischer als Nylon.
Tiere verfügen über Sinne, die sie in die Lage versetzen, Naturkatastrophen ohne Schaden zu überleben. Als in den Weihnachtsfeiertagen des Jahres 2004 ein Tsunami in Südostasien hunderttausende von Menschen den Tod brachte, wurden keine toten Tiere gefunden. Sie erkannten rechtzeitig die drohende Gefahr und retteten sich auf höher gelegene Gebiete.
Mensch-Tier-Beziehung
Ethische Probleme der Mensch-Tier-Beziehung haben im 19.Jh. dazu geführt, dass in Deutschland eine Tierschutzbewegung zunächst auf privater Basis entstanden ist, auf deren Initiative bald erste gesetzliche Tierschutzbestimmungen erlassen wurden. Am 17.05.2002 hat der Deutsche Bundestag mit grosser Mehrheit beschlossen, dem Tierschutz Verfassungsrang einzuräumen. Dazu wurde der Art. 20 a entsprechend ergänzt. Der Tierschutz wird also Staatsziel. In der Bayerischen Verfassung gilt dies schon seit 1998. Doch was ist überhaupt ein „Tier“? Ein juristisch unbrauchbarer abstrakter Oberbegriff von der Amöbe bis zum Anthropoiden, für alle organischen Körper, die sich bewegen können (Definition des Grimm’schen Wörterbuchs), der Schutz besteht somit auch für die Stubenfliege, den Floh und die Wanzen. Der moralische Status der Tiere ist damit noch nicht geklärt. Dies gilt innerhalb des philosophischen Umfelds nicht weniger als in der Gesellschaft.
Wir halten so genannte Nutztiere, die uns Nahrung und tierische Rohstoffe liefern, für uns Arbeiten verrichten und die wir als Versuchstiere oder als „Sportgerät“ verwenden. Dann gibt es Tiere, die wir zu unserer Ergötzung im Zirkus auftreten lassen oder als Seelentröster im Hause halten. Daneben gibt es die grosse Masse der Zootiere, die z.T. aus fremden Ländern stammen und von uns als Exoten bestaunt und bewundert werden. Tierhaltung soll artgerecht sein. Was man aber darunter zu verstehen hat definiert der Mensch immer nach sogenannten Sachzwängen. Für Nutztiere in Massentierhaltung gelten andere Normen.
Da Haustiere seit ihrer Zähmung in der Jungsteinzeit beim Menschen leben, spricht man hier von degenerierten Tieren, die nicht wenige ihrer natürlichen Instinkte verloren haben. Trotzdem muss bei Haltung und im Umgang mit ihnen ein gewisser Standard an Schutzbestimmungen eingehalten werden. Papst Benedikt der XVI. schreibt in seinem Buch „Gott und die Welt“ dazu folgendes: „Der Mensch soll dabei immer die Ehrfurcht vor diesen Geschöpfen bewahren, aber doch wissen, dass ihm nicht versagt ist, von ihnen Nahrung zu nehmen. Freilich, die Art von industrieller Verwendung, indem man Gänse so züchtet, dass sie eine möglichst grosse Leber haben, oder Hühner so kaserniert, dass sie zu Karikaturen von Tieren werden, die Degradierung des Lebendigen zur Ware scheint mir tatsächlich dem Zueinander von Mensch und Tier zu widersprechen.“
Bei Tieren die mit dem Menschen „wohnen“ besteht die Gefahr, dass des Guten oft zu viel getan wird. Sie werden aus falsch verstandener Fürsorge häufig zu Tode geliebt. Grundsätzlich muss gesagt werden, dass eine artgerechte Haltung für normalerweise frei lebende Tiere nicht möglich ist. Dies gilt sowohl für Zirkus- wie auch für Zootiere gleichermaßen. Betrachtet man die Zoobesucher, so wird man regelmäßig feststellen, dass sentimentales Mitleid an Tiere verschwendet wird, die sich hier durchaus wohl fühlen, während das wirkliche Leiden so gut wie keiner bemerkt. Nach Konrad Lorenz sind bestimmte Tiere in Gefangenschaft wirklich arm und bedauernswert. In erster Linie jene klugen und hochstehenden Wesen, deren reger Geist und Tätigkeitsdrang im Käfig keine Befriedigung findet. Hier vor allem Füchse und Wölfe, zur Zugzeit die Singschwäne, die großen Papageien, aber vor allem die Affen und hier besonders die großen Menschenaffen, die sich zuweilen buchstäblich zu Tode langweilen. Allgemein gilt im Umgang mit Tieren: Man wird ein Tier immer missverstehen, wenn man aus ihm einen Menschen machen will, und man wird seinem Verständnis dann nahe kommen, wenn man es kritisch als ein Wesen ansieht, das in seiner eigenen Welt lebt, die mit der des Menschen meist sehr wenig gemein hat.
Zusammenfassung
Die Menschen scheinen die soziale Tötungshemmung der Raubtiere nicht zu besitzen. Sie sollen die einzigen Lebewesen sein, die einander bis auf den Tod bekämpfen und nicht nur die kämpfenden Männer, sondern auch Frauen, Kinder und Greise niedermetzeln.
Problematisch wird es immer dann, wenn Tiere als touristische Attraktionen benutzt werden. Besonders wenn in Naturschutzgebieten oder Nationalparks Tiere in Gehegen gezeigt werden, um die menschliche Neugier zu befriedigen, und dabei ihr natürlicher Lebensraum eingeengt wird.
Es gibt auf der Erde wohl an die eineinhalb Millionen Tier- und eine halbe Million Pflanzenarten. Jede Art ist schon ein Wunder für sich, ist herrlich, beeindruckend, ergreifend, verblüffend, phantastisch.
Die so genannten frei lebenden Tiere leben bei uns in Mitteleuropa in einem Umfeld, das nach menschlicher Zweckmäßigkeit geformt ist und den natürlichen Verhältnissen oft in keiner Weise mehr entspricht. Sie kommen in einer technisch derart aufgerüsteten Umwelt kaum mehr zurecht, gleichgültig ob es sich um den Straßenverkehr, die landwirtschaftlichen Maschinen, den verdrahteten Himmel oder die touristisch aufbereitete Natur handelt. Sie müssen entweder weichen, sterben oder sie leben schlecht.
Noch ein Satz von Professor Dr. Willi Eggeling, der den Umgang mit Tieren in verschiedenen Kulturkreisen untersucht hat:
„Wenn ich aus meinen Beobachtungen, die ich auf zahlreichen Reisen in vielen Regionen dieser Erde gewonnen habe, ein Resümee ziehe, stelle ich fest: Es geht Tieren in keinem Land der Welt so gut wie bei uns in Deutschland! Wir können stolz auf unser Verhältnis zu Pflanzen und Tieren sein.“
Nach einem Bericht des Zentralverbandes Zoologischer Fachbetriebe in Deutschland wurden im Jahr 2007 insgesamt für Haustiere aller Art, 3,15 Milliarden Euro ausgegeben.
Ausblick
Es wäre vermessen zu glauben, dass unsere menschliche Gegenwart den planetaren Endpunkt erreicht hätte. Dem ist nicht so. Die Welt ist noch nicht fertig. Sie hat das Ziel ihrer Geschichte noch vor sich. Sie besteht vielleicht fünfzehn Milliarden Jahren und wird noch gut sechzig Milliarden Jahre bestehen. Und auch wir selbst sind „unfertige Wesen.“ Denn auch die biologische Stammeslinie, als deren bislang höchstentwickelte Vertreter wir uns ansehen dürfen, ist bei weitem noch nicht am Ende ihrer Entwicklungsmöglichkeiten angekommen. Dieses Ende liegt vielmehr in einer Zukunft, von der wir nichts wissen können und an der wir nicht teilhaben werden. Wir sind mit anderen Worten, Wesen des Übergangs.