Im Tierreich stellen die Vögel eine eigene Spezies dar, die unter dem Stamm der Wirbeltiere eine eigene Klasse bildet. Von den Warmblütlern unterscheiden sie sich grundlegend, da sie durch die Fähigkeit des Fliegens ihren Lebensraum enorm erweitert haben und mittels eines Federkleides einen eigenen Wärmeschutz besitzen, der wesentlich effektiver ist, als das Haarkleid der übrigen warmblütigen Tiere.
Der erste Vogel in Bayern
Wir wissen heute, dass sich die Vögel vor etwa 200 Mio. Jahren aus Reptilien entwickelt haben. Von diesen kleinen Dinosauriern (Thecodonts) kennt man derzeit etwa ein halbes Dutzend Exemplare, deren Vordergliedmaßen Flügel gewesen sein könnten. Doch fehlt bis heute von weiteren Arten, die als Bindeglied gedient haben müssen, jede Spur.
Im Jahre 1861 wurde der Abdruck eines Echsenvogels in einem 140 Mio. Jahre alten Kalkgestein im bayerischen Solnhofen von einem Arbeiter gefunden. Der etwa elsterngroße Vogel hatte einen langen knochigen Schwanz und einen Kiefer mit Zähnen; beides charakteristische Merkmale der Reptilien. Dennoch bezeichnete man den „Archaeopteryx“ (griechisch, archaios = alt, pteryx =Feder, Schwinge) zu Recht als Urvogel, weil er gefiedert war und seine Federn sich im Aufbau in nichts von denen moderner Vögel unterscheiden.
Unbegreifliche Evolution
Wie kam es zu dieser für uns unbegreiflichen Entwicklung vom Reptil zum fliegenden Vogel? Gelegentlich kommt es in der stammesgeschichtlichen Entwicklung der Lebewesen von niederen zu höheren Formen zu großen Sprüngen. Diese „Seitensprünge“, wie sie der Neurophysiologe William H. Calvin bezeichnet, sind in der Evolution der mehrzelligen Tiere gar nicht so selten wie man vielleicht meinen könnte. Sie brachten, vergleichbar mit den Federn, die ursprünglich nur der Isolation dienten, aber den Vogelflug ermöglichten, etwas hervor, das nichts mit dem zu tun hatte, worum sich der Konkurrenzkampf zu drehen schien. Darwin: „Was die Übergänge von Organen betrifft, so muss man sich vor Augen halten, dass eine bestimmte Funktion in eine andere umgewandelt werden kann.“
Unseren heutigen Vögeln ist ihre Abstammung von Reptilien noch anzusehen. So z.B. zeugendie Schuppen an den Beinen und die Struktur des Gaumens oder der Kiefer
davon.
Die Fähigkeit zu fliegen verleiht den Vögeln keine Sonderstellung in der Tierwelt, denn nicht jeder Vogel kann fliegen, wohl aber Fledermäuse und Insekten. Wodurch sich die Vögel vielmehr von allen anderen Tieren einst wie jetzt unterscheiden, ist ihr Federkleid. Die Hauptaufgaben der Federn – Fliegen, Wärmeschutz, Tarnung und Schmuck – sind für Vögel lebenswichtig. Ihr Ursprung ist freilich ein Geheimnis. Man hat noch keinen Anhaltspunkt dafür, wie sich die Federn aus den Schuppen der Kriechtiere entwickelt haben. Man kann nur schließen, dass sie als eine primitive, daunenartige Isolierung aus Schuppen entstanden und sich später zu den höchst komplizierten Gebilden entwickelten.
Das Fliegen
Den freien Flug der Vögel hat der Mensch schon immer neidisch bestaunt. In der griechischen Sage wird von Dädalus und seinem Sohn Ikaros berichtet, wie sie mit selbstgefertigten Flügeln übers Meer flogen, bis die Sonne das Wachs geschmolzen hat, mit denen die Federn an die Arme geklebt waren und Ikaros abstürzte.
Moderne Methoden der Beobachtung und der Analyse haben viele Geheimnisse des Vogelfluges enträtselt, so dass es dem Menschen erst in unserer Zeit möglich wurde mit Flugmaschinen sich in die Luft zu heben und zu fliegen.
Die Erfordernisse des Fliegens setzen Gestalt und Größe der Vögel enge Grenzen. In ihrem Körperbau muss sich – weit mehr als bei allen Landtieren – äußerste Leichtigkeit mit höchster Festigkeit verbinden. Ein Querschnitt durch den Oberarm der meisten Vögel zeigt, wie Gewicht gespart und Festigkeit gewonnen wird. Lufthaltige Hohlräume durchsetzen den Knochen, kreuzweise Verstrebungen, die ähnlich wie bei einem Flugzeuggerüst angeordnet sind, versteifen ihn. Diese lufthaltigen Hohlräume findet man noch in vielen anderen Knochen, besonders bei großen Vögeln, die sehr hoch fliegen und gute Segler sind. Bei den Teilen des Skeletts, auf deren Festigkeit es ganz besonders ankommt, sind Knochen, die bei den Reptilienahnen noch getrennt waren, zu festen Platten zusammengewachsen. Am bemerkenswertesten ist das Brustbein des Vogels, eine Knochenplatte mit einem nach unten vorspringenden Kamm, woran die starken Flugmuskeln befestigt sind. Je größer dieser Kamm, um so kraftvoller der Flug. Die Brustmuskeln sind demnach am größten. Bei den meisten Vögeln machen sie etwa 15%, bei sehr schnellen und ausdauernden Fliegern wie Tauben mehr als ein Drittel des gesamten Körpergewichts aus.
Vögel atmen buchstäblich mit dem ganzen Körper. Ihre relativ kleine, wenig ausdehnungsfähige Lunge steht mit Luftsäcken im Körper und diese mit den vielen Hohlräumen in den Knochen in Verbindung, so dass die eingeatmete Luft viel besser ausgenutzt wird als bei jedem anderen Geschöpf. Die Vogellunge nimmt Sauerstoff nicht nur beim Einatmen, sondern – durch die Luftsäcke – auch beim Ausatmen auf; das Atmen während des Fliegens ist mit dem Rhythmus des Flügelschlages synchronisiert.
Das Federkleid
Nun zu den Federn: Federn gibt es, ganz gleich wie sie entstanden sind, in zwei Hauptformen: einerseits die äußeren Flug- und Konturfedern mit geschlossener Federfahne, die dem Vogel Form und Färbung geben und ihm als Wärmeschutz dienen, und andererseits die inneren Daunen als zusätzliche Isolierung. Andere Typen stehen entweder zwischen diesen beiden Arten oder sind wohl aus ihnen hervorgegangen.
Die typische Flugfeder besteht wie jede Konturfeder aus einem zentralen Kiel, der unten an der Basis hohl ist und im oberen Teil massiv wird. Dort sind zu beiden Seiten die Federfahnen befestigt. Diese Fahnen sind wunderbar komplizierte Gebilde, die mit einem Verriegelungssystem, ähnlich einem Reißverschluss, versehen sind und so der gesamten Feder eine große Stabilität verleihen. Unter dem Deckgefieder befinden sich die Daunenfedern, die einen zusätzlichen Wärmemantel bilden. Vögel brauchen eine wirksame Isolierung, insbesondere gegen Kälte, da sie mit einer Körpertemperatur leben, die etwa 41 °C beträgt. Beim Brüten ist die Isolierung jedoch hinderlich, so dass an bestimmten Stellen auf Brust und Bauch während der Brutdauer die Federn abgestoßen werden, es entstehen die sog. Brutflecken. Diese werden durch vermehrte Blutzufuhr noch wärmer als zuvor, damit kann die Brutzeit wesentlich verkürzt werden.
Obwohl keineswegs jede Art auffallend gefärbt ist, sind Vögel dennoch die buntesten aller Wirbeltiere. Bei den meisten Vögeln unterscheiden sich Männchen und Weibchen deutlich in der Farbe, man spricht hier von einem Geschlechtsdimorphismus. Die Männchen sind auffälliger in der Färbung, um einerseits bei den Weibchen auf sich aufmerksam zu machen, andererseits auch einen möglichen Rivalen abzuschrecken. Die Weibchen tragen eher ein Schlichtkleid, um zur Brutzeit und während der Aufzucht der Jungen getarnt zu sein.
Federn werden ständig abgenutzt und regelmäßig durch neue ersetzt. Sie wachsen aus den gleichen Follikeln wie die alten Federn und stoßen diese aus. Im Laufe seines Lebens trägt ein Vogel viele neue Kleider. Die Dauer der Mauser richtet sich nach der Lebensweise des Vogels. Weit wandernde Zugvögel müssen ihre Federn nach der Brutzeit schnell erneuern, bevor sie die Reise beginnen. Bei ihnen dauert die Mauser etwas über einen Monat. Strichvögel und Teilzieher können sich bis zu 50 Tage Zeit lassen und Standvögel nehmen sich noch länger Zeit, da sie keinen bestimmten Termin für ihre Wanderung einhalten müssen. Bei Vögeln, die erst in ihrem Winterquartier mit dem Wechsel der Federn beginnen, verzögert sich die Mauser erheblich. Sie dauert fast den ganzen Winter.
Federn halten weder ewig, noch sind sie unverwüstlich. Obwohl sie in der Mauser regelmäßig erneuert werden, ist ein wirksames, ganzjähriges System der Gefiederpflege für das Wohlbehagen und Überleben des Vogels unentbehrlich. So verwundert es nicht, dass Vögel nicht nur einmal am Tag Toilette machen, sondern bei jeder sich bietenden Gelegenheit ihr Gefieder pflegen. Putzen, kratzen, baden, einölen, pudern, sonnen, Sand- und Staubbäder und einemsen (ein Bad im Ameisenhaufen um sich durch Ameisensäure Gefiederparasiten vom Leibe zu halten) sind die häufigsten Rituale, die man dabei beobachten kann.
Die Anzahl der Federn kann je nach Vogel ganz verschieden sein. Die meisten besitzt mit fünfundzwanzigtausend der Schwan. Nur ein Fünftel davon aber trägt er am Rumpf, die übrigen sind am Kopf und an seinem langen Hals. Die Stockente beispielsweise hat nur halb so viele Federn, und bei der Taube sind es lediglich rund zweitausendsechshundert.
Geschärfte Sinne
Die fünf Sinne der Vögel sind auf die Bedürfnisse eines fliegenden Geschöpfes abgestimmt. Der Gesichtssinn liefert in kürzester Zeit die größtmögliche Menge an Informationen. Er hat bei ihnen eine Vollkommenheit erreicht, wie bei keinem anderen Tier. Auch das Gehör ist, besonders bei Eulen, überaus scharf. Geruchs-, Geschmacks- und Tastsinn dagegen sind im Vergleich zu manchen Säugetieren nur wenig entwickelt.
Die Existenz des Vogels hängt fast immer von seinen scharfen Augen ab. Im Gelände müssen Vogelaugen schnell von Nah- auf Fernsicht umschalten, im Dickicht beim Flug durch Geäst und Gesträuch rasch und verlässlich vor auftauchenden Hindernissen warnen. Die Augen der Vögel sind daher verhältnismäßig groß. Wären unsere Augen im Verhältnis zum Kopf so groß wie Starenaugen, hätten sie die Größe von Tennisbällen. Der Steinadler besitzt sogar absolut größere Augen als der Mensch und der afrikanische Strauß hat die größten Augen aller auf dem Land lebenden Geschöpfe. Das Vogelauge besitzt als „drittes“ Augenlid eine durchsichtige Nickhaut. Wenn sie beim Blinzeln seitlich über das Auge gezogen wird, reinigt und schützt sie das Auge ohne dass die Sehfähigkeit unterbrochen wird. Sie fehlt den meisten Säugetieren. Bei Tauchvögeln gleicht sie als Kontaktlinse die Lichtbrechung unter Wasser aus.
Greifvögel haben nach vorne gerichtete Augen, dadurch wird das räumliche Sehen wesentlich verbessert. Dafür sind die Augen in den Höhlen kaum beweglich, bei Eulen sogar überhaupt nicht. Diesen Mangel macht ein äußerst biegsamer Hals wieder wett. Die Eulen können mit ihrem Kopf fast einen Kreis beschreiben. Bei den röhrenförmigen Eulenaugen sind Pupille und Linse stark vergrößert, wodurch sich die Lichtaufnahmefähigkeit des Auges erhöht. Waldohreulen und Schleiereulen können deshalb noch bei einer hundertmal geringeren Beleuchtung sehen als der Mensch. Farben werden von Vögeln und Menschen im Wesentlichen gleich gesehen.
Das Gehör ist bei Vögeln sehr gut ausgebildet, denn sie bedienen sich der Laute für vielerlei Mitteilungen. Ihr Flugruf hilft den Schwarm zusammenzuhalten. Warnrufe und Lieder spielen eine wichtige Rolle bei der Verteidigung des Reviers und der Paarung sowie bei der Futtersuche. Experimente haben bewiesen, dass zumindest Goldregenpfeifer und Kiebitze tatsächlich den in der Erde wühlenden Wurm hören und dass Schleiereulen ihre Beute auch im Stockdunklen nur nach dem Gehör greifen können.
Vogelgesang
Der Gesang ist wohl diejenige Lebensäußerung des Vogels, der er die Sympathie des Menschen am entschiedensten zu verdanken hat. Das Vokabular, das ihm dabei zur Verfügung steht, beschränkt sich jedoch nicht nur auf den Gesang, jeder Vogel verfügt auch noch über eine Anzahl von Rufen, von denen jeder eine eigene Bedeutung hat. Ein Vogel kann durch Laute zahlreiche Dinge bekannt geben, etwa seine Art, sein
Geschlecht, seine individuelle Identität, ja selbst seinen Zustand. Er kann damit bei einem anderen Vogel sexuelle Erregung, Neugierde oder Furcht hervorrufen, einen Partner anlocken oder einen Rivalen vertreiben. Er kann auch auf die Anwesenheit von Feinden aufmerksam machen. Doch wenn er singt, verkündet er in der Regel, dass er ein Revier besetzt hält.
Wenn aber dann der Sommer naht und die gepaarten Vögel mit dem Nestbau, dem Eierlegen und Brüten und der Aufzucht der Jungen beschäftigt sind, singen die meisten Arten seltener, weniger laut oder gar nicht mehr. Grundsätzlich kann man sagen je kleiner der Vogel, desto höher und durchdringender ist meist auch seine Stimme. Der Zaunkönig sowie Sommer- und Wintergoldhähnchen haben mit die höchsten Stimmen unter den mitteleuropäischen Vögeln.
Der Vogelzug
Seit jeher wurde des Menschen Neugier durch die Tatsache erregt, dass einige Vögel sich das ganze Jahr hindurch am selben Ort aufhalten, während andere im Spätsommer oder frühen Herbst abziehen und im Frühling wiederkehren. Es gibt aber andere Vögel, die genau das Gegenteil tun; sie kommen im Herbst zu uns und verlassen uns im Frühling. Während all der Zeit wurden verschiedene Erklärungen zur Deutung des Vogelzugs geliefert. Einige von diesen erscheinen bei unserem jetzigen Wissensstand reichlich naiv und doch glaubte man einst fest an sie. Von Kuckucken glaubte man, dass sie sich für die Winterzeit in Sperber verwandelten und von Schwalben, dass sie den Winter auf dem Grunde der Seen verbrächten.
Es war etwa um die Mitte des 18. Jahrhunderts, als sich das letztere, als unwahr erwies. Ein deutscher Naturforscher, Johann Leonhard Frisch, befestigte gefärbte Fäden an den Füßen von Schwalben. Als diese nach Ablauf eines Jahres zur selben Niststelle zurückkehrten, bemerkte er, dass die Fäden einmal noch da und der Farbstoff nicht ausgewaschen war.
Das Interesse wuchs und viele neue Beobachtungsmethoden wurden ersonnen. Auf Leuchttürmen und Feuerschiffen wurde eifrig das Verhalten der Vögel beobachtet. Später wurden Vogelwarten, wie die berühmte auf Helgoland, gegründet. Im Jahre 1891 begann der Däne Christian C. Mortensen damit, dünne Zinkstücke an den Füßen von Vögeln zu befestigen; es waren die Vorläufer der heutigen Aluminiumringe. Über zehn Millionen Vögel wurden seitdem allein in Deutschland beringt.
Im Leben eines Zugvogels gibt es alljährlich vier große Ereignisse: die Frühlings- und die Herbstwanderung, das Brüten und die Mauser. Jedes dieser Ereignisse dauert mindestens einige Wochen und stellt große Anforderungen an die körperliche Verfassung des Vogels. Vor der Wanderung fressen Vögel mehr als sonst und legen sich eine Fettreserve zu. Es gibt Beweise dafür, dass die Menge des angesetzten Fetts im direkten Verhältnis zu der Anzahl der Stunden steht, die der Vogel auf dem Zuge wahrscheinlich ohne Pause fliegen muss. Im Extrem kann ein Vogel sein Gewicht sogar verdoppeln; so erhöht der Schilfrohrsänger, der in Afrika südlich der Sahara überwintert, sein Gewicht innerhalb weniger Wochen vor seinem Wegzug von 11 g auf 22 g. Diese Kraftstoffreserve reicht für Flüge von 60 bis 90 Stunden ohne Rast.
Über die Gründe des Vogelzugs und die Orientierung während des Fluges gibt es viele Theorien. Eines der auffallendsten Merkmale des Vogelzugs ist die Art, wie ein Vogel, etwa der Mauersegler oder die Schwalbe, Tausende von Kilometern auf dem Zug zurücklegen kann und doch im nächsten Jahr genau zu dem Nistplatz zurückkehren wird, den er auch im Vorjahr bewohnt hat. Ein deutscher Wissenschaftler, Dr. G. Kramer, führte Experimente durch, die zeigten, dass Vögel sich nach der Sonne orientieren. Später wurde auch entdeckt, dass, wenn man Vögel in einer großen Kuppel, in die oben ein Sternenhimmel gemalt war, hielt, diese ihre Position änderten, sobald man den künstlichen Himmel drehte. Es ist ziemlich sicher, dass die Vögel eine innere Uhr besitzen, dass sie den Stand der Sonne während des ganzen Tages wahrnehmen und dass sie sich mit Hilfe ihres „Zeitsinns“ am Tage nach der Sonne, in der Nacht nach den Sternen orientieren.
Dann ist da noch die erstaunliche Geschichte der Wissenschaftler, die in Süd-Georgia, in der Antarktis, Pinguine, auf ihren Nestern sitzend beringten und sorgfältig die Lage der Nester auf ihren Karten eintrugen. Später wanderten die Pinguine Hunderte von Kilometern, entweder schwimmend oder auf dem Bauch über das Eis gleitend. Im nächsten Jahr kehrten sie zu ihren Nistplätzen zurück. Aber der Winter war inzwischen eingekehrt und hatte praktisch ganz Süd-Georgia unter Schnee begraben, auch die Landmarken waren unkenntlich geworden. Die Pinguine begannen, am Strande Steine zu sammeln, mit denen sie ihre Nester wie gewöhnlich bauten, die nun natürlich oben auf dem Schnee angelegt waren. Als der Schnee schmolz, sanken die Steine zu Boden und ruhten bald an genau denselben Stellen, wo die Nester auch im Vorjahr gelegen hatten.
Vögel in der Kulturlandschaft
Einer Studie der Umweltschutzallianz „BirdLife“ zufolge ist weltweit jede achte Vogelart vom Aussterben bedroht. In der Studie „Zustand der Vögel der Welt 2004“ listet „BirdLife“ insgesamt 1211 Vogelarten auf, deren Bestand gefährdet ist. Bei 180 davon gilt die Situation als extrem kritisch, rund 77 Arten bestehen nur noch aus maximal 50 Tieren. Als besonders dramatisch gilt der Rückgang der Geierbestände in Asien und der Albatrosse auf den Weltmeeren. Bei den Geiern gilt die starke Nutzung des Tiermedikaments Diclofenac in mehreren asiatischen Ländern als Ursache. Viele der Vögel würden sich vergiften, wenn sie von verendeten und mit dem Präparat behandelten Tieren fräßen. Als große Bedrohung der
Albatrosse wird unter anderem die Fischerei mit so genannten Langleinen angeprangert, deren Köder die Vögel fressen und dann unter Wasser gezogen werden. Seit 1996 seien 10 000 bis 20 000 Albatrosse zum Teil grausam verendet.
Vögel gelten als wichtige Indikatoren für den Zustand der Natur. „Sie zeigen, dass sich unsere Umwelt unter ernsthaftem Stress befindet“, sagte Co-Autor Stuart Butchart. Außer in Afrika ist der Studie zufolge vor allem in Indonesien der Artenschutz gefährdet. In Europa würden außer der Landwirtschaft vor allem Hochspannungsleitungen vielen Raubvögeln zum Verhängnis.
Im April 1996 haben die beiden Autoren Dirk Maxeiner und Michael Miersch, ehemals leitende Redakteure der Zeitschrift „Natur“, im Metropolitan-Verlag ein Buch herausgebracht mit dem Titel „Öko-Optimismus“, in dem sie u.a. folgende Feststellungen veröffentlicht haben: In unserer Umwelt findet zur Zeit eine gewaltige Abstimmung mit Flügeln und Pfoten statt. In Scharen verlassen die Tiere eintönige Maisäcker und überdüngte Hochertragswiesen und ziehen in die Ortschaften und Städte. Hausgärten, Friedhöfe, Parks und Industriebrachen erwachen zum Leben. Die durchschnittliche Zahl brütender Vogelarten auf 10 Hektar Fläche beträgt für Ackerland 2 bis 3, für einen Stadtpark jedoch 20 bis 25, und in der Wohnblockzone fühlen sich immerhin 5 bis 10 wohl. Je größer die Metropole, desto reicher das Leben. Allein in Berlin brüten knapp eine Million Vögel aus 141 Arten, darunter über 100 Pirol-Paare. Das sind mehr als in den Auen am Oberrhein, in den einsamen Wäldern an der Müritz oder im Bergwald des Berchtesgadener Landes. Der Leipziger Professor Bernhard Klausnitzer hat ermittelt, dass eine durchschnittliche europäische Großstadt 18 000 Tierarten beherbergt. Strommasten sind inzwischen auch bevorzugte Brutplätze der Fischadler geworden. In Mecklenburg-Vorpommern nisten dort 85 von 106 Paaren. Biologen fanden heraus, dass die Greife ihre Nestunterlage sehr klug auswählen. Die Mastbewohner haben einen um elf Prozent höheren Bruterfolg als ihre Artgenossen auf Bäumen, denn ihre Nester sind weniger absturzgefährdet und für Bruträuber schwerer zugänglich. In den sechziger Jahren galten Fischadler als praktisch ausgestorben. Nach Ansicht der Vogelkundler tragen die neuen Brutstätten wesentlich dazu bei, dass sich der Fischadlerbestand in Deutschland wieder erholt.
Das Ei – der Anfang des Lebens
Die Vögel haben für ihre Reproduktion das an sich veralterte System des Eierlegens gewählt. Es war für ihre Art das Beste, denn das Ausbrüten eines Eies, was gleichbedeutend mit einer Schwangerschaft außerhalb des Körpers ist, hat für fliegende Wesen zahlreiche Vorteile. Der Muttervogel kann unbeschwert nach Nahrung suchen, während sich der Embryo in geschützter Umgebung und mit allem Nötigen versorgt, entwickeln kann.
Normalerweise pflanzen sich nur relativ einfach strukturierte Tiere wie Spinnen, Fische, Amphibien und Reptilien durch Eierlegen fort. Bei Säugetieren hat die Evolution dazu geführt, dass der Embryo sich im Inneren des Mutterleibes entwickelt. Die Tatsache, dass die sonst so hoch entwickelten Vögel eine derart einfache Fortpflanzungsart beibehalten haben zeigt, wie außerordentlich wichtig für sie ein niedriges Körpergewicht ist.
Damit ist nun die alte Frage, wer zuerst da war, die Henne oder das Ei, auch geklärt. Es ist das Ei, denn die Vögel haben sich bekanntlich aus Reptilien entwickelt und die legten Eier.
Zusammenfassung
Zu den Vögeln hatte der Mensch schon immer ein ambivalentes Verhältnis. Er hat sie zum Teil als Götter verehrt. Denken wir nur an den Seelenvogel der uns in der mittleren Steinzeit schon als Felsenzeichnung begegnet, und an die Darstellungen der Vogelgötter im alten Ägypten; und auch von den Griechen sind uns derartige Seelenvögel überliefert. Im Christentum und auch im Islam schließlich sind die Engel als Vogelmenschen dargestellt und der Heilige Geist als weiße Taube. Aber auch als Unglücksboten sind uns aus der germanischen Mythologie Vögel bekannt. Der Ruf des Käuzchens gilt noch heute als unheilvoll.
Schon früh hat der Mensch die Vögel zur Jagd verwendet. Vermutlich ist diese Jagdart in den Steppen Mittelasiens entstanden, wo man in den unendlichen Weiten das scharfe Auge der Vögel zu nutzen wusste. Durch die Kreuzzüge kam sie zu uns und keine Jagd ist im Mittelalter so leidenschaftlich betrieben worden wie die Beizjagd mit dem Falken. Sie galt als mannhaft und ritterlich. Kaiser Friederich II. von Hohenstaufen, ein leidenschaftlicher Falkner, verfasste ein noch heute unübertroffenes Fachbuch „Über die Jagd mit Vögeln“. So wurde der Falke zum hochgeschätzten Jagdgehilfen, zum adeligen Symbol.
Dann aber, vor etwa zweihundert Jahren wurden gerade diese „adeligen“ Vögel auf das Erbitterste bekämpft. Es begann ein regelrechter Vernichtungsfeldzug gegen alles, was einen krummen Schnabel hatte. Erst mit der ganzjährigen Schonung im Jahre 1970 hörte diese sinnlose Verfolgung allmählich auf.
Besondere Leistungen der Vögel sind im Internet unter
http:/www.vogelruf.de/rekorde.htm abzufragen.